KREIS SPROTTAU -SAGAN ALT + NEU



 

 

Stein oder Sühnekreuze im Kreis Sprottau/Sagan

Verstoßen,vergessen und wieder gefunden die Sühnekreuze in der Heimat.Im Blickpunkt:

Kleinküpper,Liebichau,Waltersdorf,Dittersbach,Sagan,Langheinersdorf,Altkirch ,Neuhaus,

Eisenberg,Hertigswaldau,Leuthen und Niederhartmannsdorf

 

Beitrag von Dr. Wojecki:

Mit Denkmalen haben wir auf Schritt und Tritt zu tun. Manche wissen wir zu schätzen,

indem wir uns ihrer Schönheit und ihres Reichtums rühmen. Manchmal gehen wir

an ihnen vorbei, ohne ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Ein besonders bedauerliches

Schicksal hängt mit den sog. Beweglichen Denkmalen zusammen. Unterschätzt und

vergessen büßen sie für unsere Unwissenheit und Gleichgültigkeit. Wir gehen an ihnen

vorbei, als ob sie nicht vorhanden wären,als ob es sie nicht gäbe. Eine Tragödie

geschieht, wenn wir sie unwiederbringlich zerstören. Ein solches Schicksal kennzeichnet

viele Straßendenkmale u.a. Denkmale mittelalterlichen Rechtes, zu denen

Sühnekreuze und Bildstöcke gehören.Steinerne Sühnekreuze sind fast in ganz

Europa anzutreffen. Von Österreich und Norditalien bis nach Skandinavien und den

Britische Inseln, von Frankreich bis in den Kaukasus. Sie stammen aus verschiedenen

Zeitaltern, unterscheiden sich in der Form und hatten verschiedene Bedeutungen.

Sie befinden sich im Grenzgebiet vieler wissenschaftlicher Disziplinen wie

Kunstgeschichte, Ethnografie, Archäologie,Rechtswissenschaft, Theologie und

anderen. Es scheint richtig zu sein, sie zu der Kategorie der beweglichen Denkmale

aus der archäologisch-rechtlichen Gruppe zuzuordnen.

Sühnekreuze, auch Versöhnungskreuze genannt, wurden seit dem Mittelalter in

der Regel an einen Ort gesetzt, an dem ein Verbrechen begangen wurde. Es waren

schwer zugängliche Gegenden: Schluchten, Wälder, Wegränder. Sie wurden auch an

sichtbaren Stellen wie an der Kreuzung von Routen, in der Nähe der Wirtshäuser

und Kirchen errichtet. Im 18. Jahrhundert,in dem Maße, wie dieser Brauch ausstarb

und sich veränderte, begann man ähnliche Kreuze zu versetzen und sie in die Kirchhofmauern

einzufügen und vor den Kirchen aufzustellen. Die Kreuze wurden am häufigsten aus dem in der

Nähe zu findenden Werkstoff, in der Regel aus Sandstein,Konglomerat, Granit oder Basalt behauen.

Der Brauch des Aufstellens von steinernen Sühnekreuzen von Westeuropa am Anfang

des 14. Jh. und verdrängte die bisher geltende Vendetta, d.h. die Regel (das Recht) der Blutrache.

Es wird angenommen, dass man im 13.Jahrhundert schriftliche Vereinbarungen,Sühneverträge

„Compositio” genannt, zu erstellen begann. Diese Verträge wurden zwischen der Familie des

Opfers und dem Mörder (nach dem Schuldnachweis) in Anwesenheit von Vertretern der Kirche

abgeschlossen. Kraft des Vertrages war der Verrichtete gezwungen nach dem

Gerichtsurteil zu verfahren. Das Urteil bestand meistens aus folgenden Teilen: Bezahlung

für den Gerichtsprozess (einschließlich der Kost und Bier für den Richter), Begleichung

der Kosten, die mit der Beerdigung des Opfers verbunden waren, Organisierung

der Trauerandacht (häufig waren es mehr als eine), Beschaffung bestimmter Menge

an Wachs, Teilnahme an einer Wallfahrt zu einem heiligen Ort (nach Rom, Jerusalem

oder Santiago de Compostela). Der Familie des Verstorbenen gegenüber war der Mörder

verpflichtet Sühnegeld das sog. „Wergeld” zu bezahlen und andere materielle Güter zu übergeben.

Am Tatort musste er ein selbst behauenes Kreuz oder einen steinernen Bildstock als Zeichen der

Buße zur Erinnerung und Warnung für die Nachkommen errichten. Die Familie des Opfers verzichtete

auf Rache, und am Kreuz fand die Versöhnung mit dem Mörder statt.So entstand die zweite Bezeichnung

für die Sühnekreuze - Versöhnungskreuze.Seit dem 15. Jh. begannen Kreuze mit Einritzungen der

Mordwerkzeuge zu erscheinen. Es waren am häufigsten:Schwerter, Armbrüste, Messer, Dolche,

Sicheln, Gabeln, Scheren u. ä. Mit der Verbreitung der Fertigkeit des Lesens und des Schreibens

erschienen an den Kreuzen kürzere oder längere Informationen wer,

wen, wann, womit und wofür ermordet hatte (Ende des 16. und 17. Jh.).Am Ende des 18. Jahrhunderts

starb der Brauch der Aufstellung von Sühnekreuzen aus.- 

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Frei stehende Steindenkmale wurden im Laufe der Zeit und von Menschen vernichtet. Der Nutzen

, sie als Baumaterial zu gebrauchen, trug zu einer enormen Verwüstung dieser Denkmale bei.

In Europa gibt es ca. 7000 Sühnekreuze,darunter mehr als 5000 in Deutschland

und über 800 in Tschechien. Es wird geschätzt, dass sich in Polen mehr als 700

Stück befinden, wovon ca. 580 in Schlesien vorkommen.

 

Das am weitesten nördlich stehende Kreuz befindet sich im Dorf Deutsch-Sagar, am weitesten

südlich in Neuhaus,Die meisten wurden aus Sandstein oder Konglomerat behauen. Die Kreuze

haben verschiedene Größen. Die Lage der Kreuze ist unterschiedlich. Am zahlreichsten kommen

frei stehende Kreuze vor.Die Sühnekreuze haben verschiedene Formen.

 

Am meisten gibt es lateinische Kreuze einige haben eine unregelmäßige Gestalt, d.h. man kann

sie wegen der Verwitterungs- und Beschädigungsfolgen nicht klassifizieren.

 

Die nächsten sechs sind Antoniuskreuze (in Form des Buchstabens T). Es gibt drei Malteserkreuze.

Interessant ist auch ein kleeblattförmiges Kreuz in Sprottau.Ein Viertel (der Gesamtzahl) der Kreuze trägt

Einritzungen der Mordwerkzeuge.Jeweils nur in einem Fall wurde allein das Datum in Leuthen, das Datum

mit Initialen Neuhaus eingraviert.

 

Das älteste Sühnekreuz im Kreis ist das Kreuz aus Leuthen (1418).

 

Neben den oben genannten Steinkreuzen warten auf die Entdecker 45 verschollene Objekte, die

sich in 34 Ortschaften (die meisten in der Gemeinde Sagan - 10, Gubin/Guben - 6 und

Sorau - 5) befinden. Unter dem Begriff „verschollen” ist es zu verstehen, dass ein

Kreuz an einem bestimmten Ort (im bestimmten Gebiet) gestanden hatte,später aber verschwand.

 

 

 



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