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Ehrenbürger von Sprottau

 

Am 18.05.1884 starb der berühmte schlesischer Wissenschaftler Heinrich Robert  Göppert.

In Sprottau wurde er am 25.07.1800 als Sohn eines Apothekers und Königlich

preußischer Forstrat, geboren. Das lebhafte Interesse des Sohnes für

Naturwissenschaften datierte seine Schulzeit. Von 1812 bis 1816 besuchte

er das Gymnasium in Glogau und  anschließernd in Breslau. Pfarrer August Kaluza

unterrichtete in Breslau im Gymnasium und wurde der Förderer für Heinrich Göppert .

 

Nach Abschluss der Gymnasiumausbildung kehrte er 1816 nach Sprottau zurück.

Entsprechend der Familientradition arbeitete er zunächst als Gehilfe in der Apotheke

seines Vaters um 1820 die Prüfung als Apothekergehilfe ablegen zu können. Ohne

Freude an der Arbeit wechselte er in die Apotheke seines Großvaters in Neisse.Mit

allen Mitteln bemühte er sich im Bereich der Naturwissenschaften vorwärts zu kommen.

Ab 1821 studierte Göppert  am Lehrstuhl für Medizin und Naturwissenschaften in

Breslau bei den damaligen bekannten Professoren Adolf W.Otto,Wilhelm Hermann ,

Georg Remer und Rudolph C. Treviranus. Während der Studienzeit heiratete er die

Tochter von Prof. Remers.Nach den Tod seiner Frau heiratet er die Schwester.

 

Im Jahre 1824 geriet Göppert wegen seiner Betätigung in der deutschen

Burschenschaft im Blickfeld der preußischen Staatsmacht.

Entsprechend der Beschlüsse des Deutschen Bundes wurden auch in Preußen alle

Bewegungen unterdrückt. Es gelang ihn ,wenn auch mit Auflagen, in Berlin

sein Studium fortsetzen zu können.In Berlin lernte er die bedeutenen Botaniker Heinrich

Friedrich Linke , Schlechtendal und Heyn kennen.Im Januar 1825 wurde Göppert

in Berlin durch Heinrich Linke promoviert.

 

1826 ließ er sich in Breslau nieder , um als Arzt tätig zu sein. Die ärztliche Praxis genügte

seinen ehrgeizigen wissenschaftlichen Bestrebungen nicht , er war in den Disziplinen

Medizin und Naturwissenschaft aktiv. Als Arzt für die Armen betreute er auch das

katholische Gymnasium St. Matthias in  Breslau. Ab 1826 arbeitete er in den

Krankenhäuser St. Elisabeth und Aller Heiligen.

 

Im Botanischen Garten von Breslau war Göppert ab 1827 als Konservator

angestellt und hielt an der Breslauer Universität Vorlesungen.

Seine Forschungen im Bereich der Botanik hatten eine bahnbrechende Bedeutung ,

da sie neue wissenschaftliche Perspektiven eröffneten. Sein Forschungs-

schwerpunkt war die Morphologie, Physiologie und Pathologie in der Pflanzenwelt.

 

In den Jahren 1831 bis 1832 engagierte sich Heinrich Robert  Göppert  kräftig in

der Bekämpfung der Cholera in Breslau. Die Schlesische Cholera-Zeitung von 1831

bis 1832 enthält reiches dokumentarisches Material über Göpperts ärztliche Tätigkeit.

Als Mitglied des Ärztlichen Comites  für Schlesien war er einer von den Herausgebern

dieser Zeitung.

Während der Choleraepidemie sammelte er im Krankenhaus für Cholerakranke in

Neu-Scheitnig, wo er die Leitung nach Dr. F. Seidel übernahm, reiches Material über

die Krankheit. In der Schlesischen Cholera-Zeitung druckte er Ratschläge zur

Vorbeugung vor der schädlichen Wirkung des Chlors auf die Atemwege ab. Chlor wurde

damals als Desinfizierungsmittel gebraucht. Über die chemische Desinfizierung der

Wohnungen und häuslicher Gegenstände veröffentlichte er viele Anweisungen. Die

Protokolle von Sitzungen der Medizinischen Sektion der Schlesischen Gesellschaft

fanden so wie Berichte der Ärzte aus anderen schlesischen Ortschaften ihren Platz

in den Spalten der Zeitung.

 

In zwei Ausarbeitungen stellte er unter Berücksichtigung der amtlichen Angaben

den Verlauf der Choleraepidemie in Breslau dar.

Seine statistischen Angaben enthielten Zahlen der Erkrankten und Todesfälle in den

Jahren 1831 bis 1832. Wahrscheinlich sind das die einzigen Zusammenstellungen,

die es gibt.

Viele Informationen über die ärztliche Tätigkeit Göpperts im Krankenhaus für

Cholerakranke in Neu-Scheitnig finden sich in einer Berichterstattung von Dr. F.

Seidel, die auch Vermerke über die übrigen Ärzte und das Hilfspersonal, über

die Krankheitserscheinungen bei der Cholera, den Verlauf der Krankheit,

die Prognose, die angewandten Arzneimittel und ihre Heilwirkung enthält. Diese

Angaben lagen zusammen mit amtlichen Dokumenten dem zusammenfassenden

Bericht vom Verlauf der Epidemie 1831 bis 1832 in Breslau zugrunde und wurden

in der ,,Schlesischen Cholera-Zeitung publiziert.

 

Jonas Graetzer, Arzt und Historiker für schlesische Medizin, war der Meinung, dass

die Medizin in Schlesien einen der begabtesten Ärzte verliere, weil Göppert sich immer

mehr mit der Botanik beschäftigte. Seit der Gymnasialzeit zu Breslau interessierte er

sich für Paläobotanik und Erdgeschichte. Im Jahre 1830 wurde Göppert Sekretär

der Sektion für Naturwissenschaften bei der Schlesischen Gesellschaft. In einer Arbeit ,

die im Jahre 1831 unter dem Titel Über die Wichtigkeit der naturwissenschaftlichen

Studien für die zukünftige Ausbildung des Arztes in Breslau erschien, gab er einen

unwiderleglichen Beweis seiner Zugehörigkeit zur ärztlichen Zunft.

 

In demselben Jahre wurde er zum Außerordentlichen Professor ernannt. 1832 hielt

er auf der Konferenz der Naturwissenschaftler in Wien einen Vortrag aus dem Gebiet

der Botanik. Unter dem Einfluss Adolph Wilhelm Ottos wandte er sich seit dieser Zeit

vermehrt  der Paläobotanik und Erdgeschichte zu. Göppert vertauschte den Lehrstuhl

für Medizin, den er zwischen 1831 und 1851 inne  gehabt hatte, mit dem Lehrstuhl

für Botanik, den Christian Gottfried Nees von Esenbeck, der wegen Beteiligung an

revolutionären Geschehnissen 1848 und 1849 von der Universität 1851 entlassen

worden war, hatte aufgeben müssen. Gleichzeitig wurde er auch Direktor des

Botanischen Gartens in Breslau.

 

Der Botanische Garten diente wissenschaftlichen Forschungen und didaktischen

Zwecken. Er existierte seit der Entstehung der Universität. Der Garten wurde von

einen Inspektor organisiert und auf 5,5 Hektar erweitert.

Forschungen, die Göppert trieb, wurden auf Probleme in der Landwirtschaft und

Wald Botanik erweitert. In zahlreichen wissenschaftlichen Schriften stellte er die

Erfolge der Schlesier hervor. Die von Göppert  zusammengestellte Kollektion der

Versteinerungen, vor allem der Flora aus dem Karbon Schlesien, gewann auf

der Weltausstellung 1867 in Paris eine Auszeichnung.

 

Die letzten 10 Jahre seines Lebens beschränkte sich Göppert auf die ärztliche

Behandlung seiner Freunde.

Heinrich Robert Göppert gehörte zahlreichen wissenschaftlichen Vereinigungen

des In u. Ausland an . Er erhielt diverse Orden und hochrangige Auszeichnungen.

Er war Ehrenbürger von Sprottau und Breslau. Eine Straße am botanischen Garten

(heute ulica Kanonia) erhielt seinen Namen.Bis 1945 befand sich ein Göppert-

Denkmal mit einer Bronzebüste von Fritz Schaper am Stadtgraben in Breslau.

 

Die Familie Göppert brachte über mehrere Generationen große Wissenschaftler

hervor. Nobelpreisträgerin in Physik Maria Göppert-Mayer war eine Urenklin

von Heinrich Göppert.

 

 

 

Quelle gekürzt bei "Kulturportal-West-Ost/ Herr Koczorowski



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